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ROCKET INTERNET – NICHT BÖRSENFÄHIG !!!

 

ROCKET INTERNET – wohl eines der größten Missverständnisse an der Börse!

Als Rocket Internet vor knapp zwei Jahren an die Börse ging, war die Begeisterung groß, kritische Worte so gut wie nirgends zu finden. Zum einen endlich einmal wieder überhaupt ein IPO (und unmittelbar danach mit Zalando gleich das zweite) – und dann auch noch aus der so vielversprechenden “START-UP” Szene, Neuer Markt 2.0., das Deutsche Facebook … was war nicht alles zu lesen. Und heute?Binnen kürzester Zeit mussten zwei der größten Beteiligungen drastisch abgewertet werden und wohl nur durch Stützungskäufe der Großaktionäre wurde ein noch deutlicherer Kurseinbruch vermieden.

Fakt ist, dass Rocket seit seinem IPO keine einzige Beteiligung erfolgreich verkauft oder gelistet hat (Zalando ausgenommen), sondern im Gegenteil geplante Börsengänge absagen musste (Hello Fresh), signifikante Beteiligungen deutlich im Wert berichtigte und weitere geplante IPO’s b.a.w. verschiebt. Besonders besorgniserregend dabei ist die steigende Frequenz der Negativnachrichten, welche  nicht nur bei Investoren zu Irritationen führt, sondern auch im Rocket Internet Konzern und den dutzenden von Beteiligungen für schlechte Stimmung und wenig hilfreiche Personalflucht sorgt.

Darüber hinaus – und dies ist das eigentlich beängstigende – wird ein absehbarer weiterer Kurseinbruch der Rocket Internet Aktie die junge Start-Up Kultur in Deutschland schwer und nachhaltig beschädigen. Ein Investment in ein Start-Up basiert zum größten Teil auf  Vertrauen in die “Macher”, die “Köpfe” mit den genialen Ideen und deren Fähigkeit, Ihre Visionen und Produkte erfolgreich im Markt zu positionieren sowie der Hoffnung, dass irgend wann ein “Großer” kommt und ein Angebot macht, dem niemand widerstehen kann (frei nach Don Vito Corleone, Sizilien).

Idealerweise arbeiten Start-Ups abseits der immerzu kritischen Öffentlichkeit, werden unterstützt von erfahrenen und souveränen Angel-Investoren und Entrepreneuren, VC-Funds oder Crowd-Funding Initiativen und können so auch Rückschläge und Verzögerungen verkraften.

Diese Rahmenbedingungen sind jedoch so gut wie nicht vereinbar mit der spätestens quartalsweisen Gier der Börse nach Erfolgen – eine Erwartungshaltung, der Rocket Internet daher in keinster Weise gerecht wurde und auch nie gerecht werden kann, da Start-Ups eben nicht mit “normalen” und etablierten Unternehmen vergleichbar sind – in Folge dessen ist der Kurseinbruch nur allzu logisch und wird sich auch weiter fortsetzen.

Leider gilt Rocket Internet jedoch als DAS Start-Up Unternehmen in Deutschland und die Samwer-Brüder als DIE modernen Vorzeigeunternehmer. Befeuert durch von der Boulevard – und Börsenblättchenpresse dankbar aufgenommen Berichten über Bootcamp-ähnliche  Arbeitsbedingungen, “innovative” Recrutingstrategien (wie viele Tennisbälle passen in eine Boing 747) und einen perfekt nach den Wünschen der Inverstoren designten Börsengang sprangen Investoren jeder Größe und Struktur auf den jungfräulichen Start-Up Zug auf und viele sahen sich glücklich, sich über ein Investment in die börsennotierte Rocket Internet den langwierigen Weg der Direktinvestments in Start-Up Gesellschaften sparen zu können – bzw. jetzt überhaupt erst “mitmachen” zu können beim Start-Up Boom, da z.B. Ihre Anlagerichtlinien “non listed” nicht erlaubten.

Eine weiter fallende Rocket-Internet Aktie wird daher das “Start-Up” Model in Deutschland – einem innovativen Investments immer schon sehr kritisch gegenüber stehenden Land – nachhaltig beschädigen – LEIDER, denn Rocket Internet taugt tatsächlich in keinster Weise als Referenz für unsere Start-Up Kultur.

Im Gegensatz zu vielen kleinen “originären” Start-Ups ist Rocket Internet eine komplett durchdesignte “Copy & Paste” Fließband-Fabrik ohne die für die Start-Up Industrie so typische Kreativität – welche jetzt von den üblichen Problemen bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen und Produkte eingeholt wird – aber diese in Summe nicht lösen kann – zumindest nicht vor dem Hintergrund des permanenten börsenüblichen Erfolgsdrucks.

Darüber hinaus gibt es zu Rocket Internet so gut wie kein sonst so übliches Research, da die Gesellschaft aufgrund Ihrer zahlreichen und verschiedenartigen Beteiligungen für die üblicherweise wenig kreativen Kapitalmarktanalysten nicht greifbar ist – bisher wurden die meisten Investments in die Rocket-Aktie daher mehr oder weniger im Blindflug getätigt. Dies wird sich in Folge der beiden aktuellen Wertberichtigungen nun dramatisch ändern und die drei Samwers werden sich sehr vielen sehr kritischen Fragen stellen müssen – und es bedarf wohl keiner großen Phantasie um zu erkennen, das es noch zahlreiche weitere Bilanzleichen geben wird.

All dies wird dazu führen, das der Investitionsprozess in Start-Ups hier in Deutschland zukünftig noch kritischer verlaufen wird und viele wirklich gute Ideen wohl auf der Strecke bleiben werden – leider.

Rocket Internet muß sich sehr zügig und vor allem öffentlich eingestehen, dass der unrsrüngliche Weg der “Fließbandkopiererei” von Ideen anderer Leute der Falsche war und sein Portfolio nochmals drastisch bereinigen und wertberichtigen. Im nächsten Schritt müssen die aussichtsreichen Projekte aus der “Berliner Generalverwaltung” herausgelöst werden und auf Stand Alone Basis sowie mit Hilfe wirklich erfahrener Dritter weiter entwickelt werden. Dieser Prozess wird langwierig, komplex und für Teile des Konzerns und vor allem die Aktionäre schmerzhaft – es ist jedoch die einzige Chance, die Abwärtsspirale zu verlassen. Ob die Samwer-Brüder jedoch in der Lage sein werden, diese erste große Krise zu meistern bzw. die Investoren Ihnen dies überhaupt zutrauen, bleibt abzuwarten.

Die aktuell hohen Börsenumsätze – bei für die schlechten Nachrichten unverständlich stabilen Kursen – könnten auch darauf hinwiesen, das die Samwers beginnen, Ihre erst vor 2 Jahren zu deutlich höheren Kursen verkauften Aktien wieder zurück zu kaufen – aus Ihrer Sicht eine sehr smarte Lösung!