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Manipulation ante portas

Boom in der Sport-Peripherie 2 /  Sportwetten

Udo Rettberg

Wer den boomenden globalen Sportmarkt analysiert, wird rasch erkennen, dass sich nicht nur im eigentlichen muskelbetonten Sportsektor, sondern auch in wichtigen Nebenbereichen dieser Branche Interessantes tut. Denn wichtige synthetische „Ableger“ des Sports – wie die Randbereiche eSports auf der einen und SportsBetting auf der anderen Seite – haben über die Jahre hinweg eine gigantische Wachstums-Dynamik an den Tag gelegt. Dieser Trend wird anhalten – Wetten das?

Lange Zeit waren sie stark umstritten in der Welt des Sports; denn zu oft wurden sie in der Vergangenheit als Manipulationsinstrumente missbraucht sowohl von Sportlern, Managern und von Referees als auch von spezialisierten kriminellen Betrüger-Banden. Die Rede ist von Sportwetten – einem kaum überschaubaren Markt.  

Katalysator für den globalen Siegeszug des Sportwettenmarktes war über die Dekaden hinweg neben dem allgemeinen Basis-Boom der Sportbranche auch die Globalisierung und Technologisierung der Wirtschaft und des Sports. Kern dieser Ausbreitung des Wettmarktes ist der Internet-Boom. Denn heute ist die Abgabe von Wetten über das Internet die bei den Kunden bei weitem beliebteste Variante. Örtliche Wettbüros – wie z.B. Wettschalter bei Pferderennen direkt auf den Rennbahnen – haben über die Jahre hinweg klar an Bedeutung verloren.

Auf der anderen Seite stellt der digitalisierte Wettmarkt insbesondere in Ländern ohne liberalisierten Glücksspielmarkt (also beispielsweise im arabischen Raum und teils auch in der Bundesrepublik Deutschland) bislang eine rechtliche Grauzone dar, da es Kunden möglich ist, eine Wette auch bei einem Online-Buchmacher abzugeben, der nicht über eine anerkannte Lizenz für das jeweilige Land verfügt. Bekanntlich haben zahlreiche Internet-Wettanbieter ihren Firmensitz in so genannten Steueroasen wie Malta oder Gibraltar oder Isle of Man. Ein Grund: sie müssen dort weniger Transparenz bieten und müssen zudem dort nur vergleichsweise geringe Abgaben (zB Steuern) zahlen.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Es wundert nicht, dass das Image von Sportwetten bis heute noch immer angekratzt ist. Hohe Quoten reizen Akteure auf dem grünen Rasen, in den Arenen, im Ring oder auf den Matten sowie am Rande des Geschehens im Vorfeld von Veranstaltungen zu gezieltem Fehlverhalten. Wer z.B. Favorit auf einen Sieg in einer bestimmten Sportart oder einem speziellen Sport-Event war, wurde nicht selten von verlockend hohen Quoten zu unsportlichem und kriminellen Verhalten veranlasst. Das Ganze ging letztlich so weit, dass sich gerade im asiatischen Raum Hotspots für Wettbetrug bildeten.

Zeitweise kam es hier in rascher Folge zu Anklagen gegen organisierte „Wettbetrüger“. Nichts einfacher als das: Sportler und andere Akteure der Szene setzten einfach Geldbeträge per Sportwette auf einen Sieg klarer Außenseiter, ließen sich dann selbst als Sportler z.B. im Boxring ausknocken, griffen auf der Torlinie als Fußball-Torhüter ganz einfach neben Ball oder jagten die Kugel auf der anderen Seite frei vor dem gegnerischen Tor stehend hoch in die Wolken. Absichtliches Fehlverhalten war indes oft nur schwer oder aber überhaupt nicht nachweisbar.

Auf diese Weise stockten Beteiligte ihr Bankkonto kräftig auf – indem sie sportliche Niederlagen bewusst in Kauf nahmen. Einige Klubs verboten ihren Spielern daraufhin, Wetten abzuschließen. Für Schlagzeilen sorgte darüber hinaus organisiertes Fehlverhalten von Fußball-Schiedsrichtern und anderen Referees. Die Dunkelziffer dürfte indes sehr hoch gewesen sein. Keine Frage: Die Technologisierung, Computerisierung und Automatisierung hat diese einstige Vorgehensweise von (potentiellen) Betrügern zwar nicht völlig unmöglich gemacht, aber zumindest stark erschwert.

Beispiel gefällig? Bitte schön: Im Fußball-Wettskandal des Jahres 2005 wurden u. a. vom ehemaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer mehrere Spiele aus der 1. Bundesliga, der 2. Bundesliga und der Regionalliga sowie dem DFB-Pokal durch offensichtlich bewusst herbeigeführte Fehlentscheidungen manipuliert, um auf diese Weise für sich selbst hohe Wettgewinne mit ungewöhnlichen (von den meisten Experten nicht erwarteten) Ergebnissen zu erzielen.

Kein Wunder also, dass die Aufsichtsbehörden in den vergangenen Jahren deutlich  wachsamer geworden sind und klare rechtliche Vorschriften den Betrug mit Sportwetten verhindern sollen. Bei Sportwetten setzen Akteure Geld auf das Eintreffen bestimmter Sportergebnisse. Ungeachtet des gigantischen Sportwetten-Booms ist diesbezügliches Glücksspiel in vielen Ländern der Welt rechtlich stark unter Beobachtung – ja in einigen Regionen (z.B. in Teilen des arabischen Raums) sogar eingeschränkt oder gar verboten. Solche Wetten werden entweder zu festen Gewinnquoten von einem Buchmacher angeboten oder zu variablen Quoten am Totalisator bzw. nach Art der so genannten Calcutta-Auktion abgeschlossen.

Sportwetten und Börse – Eine große Idee scheitert

Es war am 7. März 2007 als in Deutschland eine recht neue Idee in die Tat umgesetzt wurde. Der für seinen Einfallsreichtum bekannte Berliner Banker Holger Timm ging mit der Ex-tra Sportwetten AG an den Start. Über eine österreichische Tochter (Grund für die Abwicklung über Österreich war die seinerzeit in Deutschland mit Blick auf Sportwetten komplizierten Rechtslage)  brachte Timms Berliner Effektengesellschaft AG über die 100%ige österreichische Tochter Finanz-Wettzertifikate auf populäre Sportarten an den Markt, die sich durch die längerfristige Austragung von Turnieren und nationalen und internationalen Meisterschaften für eine als Wertpapier (nämlich Zertifikate) verbriefte Langzeitwette eigneten.

Dazu zählten in erster Linie Mannschaftssportarten wie z.B. Fußball. Aktuell bot die Gesellschaft Meister- und Platzierungszertifikate für die 1. und 2. Bundesliga, die Champions League sowie den DFB-Pokal und den UEFA-Pokal an. Gemäß § 3 der Satzung war der seinerzeitige Gegenstand des neuen Unternehmens:

a) die Begebung von Zertifikate für Sportwetten,
b) die Organisation von Wettspielen sowie die Begebung von Zertifikaten darauf,
c) sämtliche Aktivitäten, die zur Erreichung der unter (a) und (b) genannten Zwecke dienlich, zweckmäßig und/oder notwendig sind (ausgenommen Bankgeschäfte), einschließlich die Gründung und der Erwerb von anderen Unternehmen. Der Aufsichtsrat war mit den Ideengebern Holger Timm (Vorsitzender) und Prof. Dr. Jörg Franke sowie Ansgar Limprecht besetzt.

Damals wurden zum ersten Mal überhaupt Sportwetten an einer organisierten Wertpapierbörse gehandelt. Die Ex-tra Sportwetten AG (http://www.ex-tra-sportwetten.at) mit Sitz in Wien – eine 100%ige Tochter der Berliner Effektengesellschaft – verbriefte Sportwetten unter dem Begriff Ex-tra SportZertifikate. Bei diesen derivativen Finanzprodukten handelte es sich um auf den Inhaber lautende Schuldverschreibungen mit variabler Rückzahlung. Ein Handel mit den SportZertifikaten fand seit dem 7. März 2007 an der Börse Frankfurt Smart Trading und der Wertpapierbörse Berlin-Bremen im Freiverkehr statt.

Da die Ex-tra Sportwetten AG in Wien als Emittent der Zertifikate als eine Art  Wetthalter fungierte, hatte sie beim Magistrat der Stadt Wien eine Bewilligung zum gewerbsmäßigen Abschluss von Wetten beantragt und auch erhalten.  Ex-tra emittierte Zertifikate auf die in Deutschland und Österreich beliebtesten Sportarten Fußball und Formel-1-Rennen. Auch für die im Jahr 2008 in der Schweiz und in Österreich stattfindende Fußball-Europameisterschaft und die Champions League wurden Zertifikate ausgegeben.

Gehandelt wurden anfangs zwei Arten von Zertifikaten auf die Fußball-Bundesliga – nämlich Meisterzertifikate und Platzierungszertifikate. Beim Meisterzertifikat erhielten Besitzer bei Fälligkeit 100 €, falls die betreffende Mannschaft, auf die das Zertifikat lautete, deutscher Fußballmeister wurde. War das nicht der Fall, gingen Zertifikate-Inhaber leer aus. Ein Beispiel: Das Meisterzertifikat auf Schalke 04 kostete z.B. 42,10 €. Dies entsprach bei einer Zahlung von 100 Euro im Gewinnfall am Laufzeitende einer Buchmacherquote von 2,38. Je schlechter ein Verein platziert war, desto niedriger war logischerweise der Kurs des Meisterzertifikats.

Bei der zweiten Art – dem so genannten Platzierungszertifikat – hing die Höhe der Rückzahlung vom Tabellenrang am Ende der Bundesligarunde 2006/2007 ab. Platz eins bedeutet eine Rückzahlung von 100 Euro, für Platz zwei gab es 95 Euro. Jeder Platz weiter hinten in der Tabelle schmälert den Gewinn um weitere 5 Euro. Für Platz 15 sind das dann noch 30 Euro. Die Bundesliga- Abstiegsränge 16 bis 18 gingen leer aus. Die Kurse der Platzierungszertifikate spiegelten damals logischerweise in etwa den Tabellenstand wider: Vorne waren seinerzeit die auch in der Tabelle auf vorderen Positionen zu findenden Mannschaften wie Schalke 04, Werder Bremen, VfB Stuttgart und Bayern München.

Besonders interessant war für Börsen-Spekulanten und Händler das Tabellen-Mittelfeld, da dort in der Regel mehrere Vereine eng beieinander waren. Jeder Platz nach oben oder unten macht daher eine Veränderung des Zertifikate-Kurses von rund 10 % aus.

Als Argument für an der Börse gehandelte Wetten und Wettbörsen bringen Ökonomen wirtschaftliche und finanzielle Vorteile ins Spiel. So könnten sich Fußballklubs durch den Handel mit Sportzertifikaten gegen sportlichen und damit finanziellen Misserfolg absichern. Denkbar ist auch eine hierin bestehende Rückabsicherungsmöglichkeit für Buchmacher. Im Unterschied zu klassischen Wetten können Wettkunden bei Zertifikaten während der Laufzeit nämlich ihre Wettpositionen wieder glattstellen und Gewinne (oder Verluste) realisieren. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Transaktionskosten gerade bei kleinem Kapitaleinsatz den Gewinn noch ein Stück schmälern können.

Den von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) gebilligten Basisprospekt vom 16. Februar 2007 sowie die einzelnen Zertifikatsbedingungen hat Ex-tra damals den Vorschriften entsprechend auf der Internet-Seite hinterlegt. Ein öffentliches Angebot in Deutschland ist – wohl aus rechtlichen Gründen – zunächst nicht vorgesehen. Die Zulassung zum Handel mit den Ex-tra Sportzertifikaten ist von der Tradegate AG Wertpapierhandelsbank, einer weiteren Konzerntochter der Berliner Effektengesellschaft AG, beantragt worden. Tradegate stellt fortlaufend An- und Verkaufskurse und ermöglicht so einen fortlaufenden Handel. Neben dem Handel im Freiverkehr wurden auch auf der elektronischen Handelsplattform „Tradegate“ unter der Internetseite www.sportzertifikate.de diese Produkte gehandelt. Letztlich gingen die Pläne von Holger Timm und seinem Team jedoch nicht auf. Im Jahr 2016 wurde der Handel eingestellt. Dies auch, weil die Vereine der Fußball-Bundesliga die hierdurch erstmal gebotenen Möglichkeiten des „Hedgings“ – also der finanziellen Absicherung von finanziellen Risiken über den Einsatz von Finanz-Derivaten – kaum nutzten. Klar, das Thema Börse und Finanzen war für die meisten Bundesligaclubs ein Buch mit sieben Siegeln und ist es bis heute auch geblieben.

Mit börsengelisteten Wetten in etwa vergleichbar, sind so genannte Live-Wetten, die als logische Erweiterung des traditionellen Wettangebots zu sehen sind. Die mögliche Abgabe der Wette mit dem Beginn des Ereignisses (plus einer eventuellen Annahme-Karenzzeit) endet am Ende des Ereignisses. Hierbei kann noch während des laufenden Spiels auf viele verschiedene Ereignisse gewettet werden. Der Reiz für den Wettenden liegt in der schnellen Abfolge der Wettmöglichkeiten und der vermeintlich besseren Beurteilung kommender Ereignisse basierende u.a. auf dem gesehenen Ablauf. Live-Wetten werden sowohl im Internet als auch in Wettlokalen angeboten, allerdings hat nicht jeder Anbieter derartige Wetten im Angebot, und oft sind Live-Wetten im Vergleich zum traditionellen Wettangebot auf ausgewählte Sportereignisse beschränkt.

Der Grund liegt darin, dass für jedes Live-Ereignis die Quoten während der laufenden Spielzeit angepasst oder die Wettabgabe ausgesetzt werden muss, wenn beispielsweise ein Tor erzielt oder eine rote Karte gegeben wurde. Hierfür muss der Wettanbieter Mitarbeiter einstellen, die das Sportereignis live mitverfolgen und die Anpassungen dann vornehmen. Die Quotenanpassungen geschehen im Zeitalter der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz teilweise auch vollautomatisch, beispielsweise aufgrund des Spielstandes, den einlaufenden Einsätzen oder der fortlaufenden Spielzeit.

Einige Wettanbieter lagern diese Aufgaben an externe Dienstleister aus. Diese Firmen haben sich auf die Live-Übertragung von detaillierten Informationen zu laufenden Sportveranstaltungen spezialisiert und leiten den Spielstand, die abgelaufene Spielzeit und wichtige Spielereignisse an ihre Kunden, in diesem Fall die Wettanbieter, weiter. Um auch Wetten auf Veranstaltungen anbieten zu können, die nicht live im Fernsehen übertragen werden, oder um die bei der Fernsehübertragung entstehende Zeitverzögerung zu minimieren, können auch Mitarbeiter direkt an den Veranstaltungsort (beispielsweise ein Fußballstadion) geschickt werden. Diese Mitarbeiter werden als „Spotter“ bezeichnet. Der Spotter verfolgt das Spiel und gibt die Informationen in einen tragbaren Computer ein, welche dann über eine drahtlose Netzwerkverbindung in die Zentrale und von dort aus an die Wettanbieter weitergeleitet werden.

Diese Tätigkeit ist im Vergleich zum Verfolgen einer Fernsehübertragung wesentlich aufwändiger und verursacht hohe Kosten (Fahrtkosten, Eintrittskarten, technische Ausrüstung). Die zeitliche Verzögerung, mit der Wettquoten an den Verlauf eines Sportereignisses angepasst werden, kann – und hier sind wir wieder beim eingänglichen Thema – zum Betrug und zur Manipulation genutzt werden. Dies vor allem dann, wenn kein Spotter eingesetzt wird, indem vom Veranstaltungsort aus Wetten abgeschlossen werden.

Die Geschichte der Sportwetten auf dem Globus ist sehr eng verbunden mit der Entstehung sportlicher Wettkämpfe. „Wetten das“, hieß es ersten  Aufzeichnungen von offiziellen Sportwetten zufolge bereits im Jahr 676 v. Chr. datiert, als die alten Griechen bei Olympischen Spielen auf den Ausgang eines Wettkampfes Geld oder andere Vermögenswerte setzten. Bereits damals gab es auch spontane Wetten, d. h., es konnte während des laufenden Wettkampfes kurzfristig gewettet werden.

Mit dem weltweiten Aufstieg des Römischen Reiches übernahmen diese von den Griechen auch die Sportwetten, wobei im Circus Maximus seinerzeit bereits sehr lebhaft auf den Ausgang von Streitwagenrennen gesetzt wurde. Dies nach dem bekannten Juvenalschen „Kampf-Motto“: Panem et circenses“ – Gib dem Volk Brot und Spiele. Mit dem Untergang des Römischen Reiches verloren dann jedoch auch Sportwetten an Bedeutung – zumindest zeitweise. Nur im Mittelalter wurde während Ritterturnieren weiter gewettet, dies jedoch ausschließlich im privaten Rahmen.

Rund um den Globus bieten unzählige Wettfirmen heute eine riesengroße Anzahl von Sportwetten an. Der globale Umsatz mit Sportwetten dürfte inzwischen über einer Billion US-Dollar liegen. Neue Anbieter schossen im vergangenen Jahrzehnt wie Pilze nach einem warmen Sommerregen aus dem Boden. Die Wettbranche zählt also heute zu den Wirtschaftsgiganten auf dem Globus. Sie ist längst nicht mehr nur in der Peripherie der Sportbranche zu finden, sondern hat sich vielmehr als ein fester Bestandteil im Sport etabliert. Und dies, obwohl sich noch immer sehr viel im nebulösen rechtsfreien Raum abspielt.

Viele mag es überraschen: Trotz der beeindruckenden Existenz und grundlegenden Akzeptanz von Las Vegas und anderen Glückspielzentren in den USA wie Reno, Atlantic City, Biloxi und New Orleans wird allein der weitgehend im verborgen blühende Schwarzmarkt für Sportwetten in Nordamerika auf ein Volumen von mehreren Milliarden Dollar geschätzt.  Auch in Deutschland boomt das Geschäft. Hier werden offiziellen Angaben der Anbieter zufolge jährlich Einsätze in Höhe von fast 10 Mrd. Euro getätigt – und dies, obwohl die Rechtlage alles andere als klar ist und die meisten in Deutschland aktiven Anbieter in Steueroasen wie Malta, Gibraltar, Isle of Man ansässig sind.

Wer wird Meister? Wetten, dass es erneut die Bayern sein werden…..                              Foto: Udo Rettberg

Klar – bei der traditionellen Form der Wettabgabe begibt sich ein Kunde direkt persönlich in ein Wettlokal, wo er einen Wettschein ausfüllt und den Wetteinsatz dann in bar einzahlt. So zum Beispiel beim traditionellen Toto. Aber: Das Gros des Geschäfts läuft auch hierzulande inzwischen über das Internet bei den außerhalb Deutschlands beheimateten Anbietern, von denen inzwischen – vagen Schätzungen zufolge – angeblich fast 5000 Wettfirmen existieren sollen. Vor dem Hintergrund der gigantischen TV-Werbung dieser Branche scheint die Schätzung über die Zahl der Akteure nicht überzogen. Staatliche deutsche Wettanbieter wie Oddset machen nur einen Teil des Geschäfts aus.    

Wo liegt das Interesse der Wett-Interessierten? Sportwetten werden seit Jahren nicht mehr nur bei den dafür klassischen Sportarten wie Pferderennen, Boxen, Tennis oder Wrestling ausgetragen. Heute dominieren weltweit Fußball-Sportwetten auf Matches der Spitzenligen in Europa, auf europäische Pokalwettbewerbe und selbstredend auf Länderspiele. In England sind auch Hunderennen sehr beliebt; in den USA wird darüber hinaus auf die populären Sportarten American Football, Baseball, Basketball und Eishockey gewettet.  Im arabischen Raum wie in Dubai, Qatar und Saudi Arabien – hier bestehen für Sportwetten generell rechtliche Restriktionen – sind Kamelwetten sehr beliebt.

Außer der Wette auf den Sieger eines Spiels gibt es oft mehrere Wettmöglichkeiten für ein einziges Sportereignis. So kann beispielsweise auch auf den Halbzeitstand, das genaue Ergebnis oder die Gesamtsumme der erzielten Punkte/Tore etc. gewettet werden. Hat eine Wette keinen Spielausgang, wird sie meist annulliert, und der Spieler erhält seinen Einsatz zurück. Gründe dafür können z. B. ein Spielabbruch oder das krankheits- bzw. verletzungsbedingte Fehlen eines Spielers sein. Gerade die Corona-Krise hat hier durchgeschlagen. Es können oft noch weitere Wetten als die klassische Siegwette (Sieg, Unentschieden, Niederlage) auf ein Ereignis abgeschlossen werden.

Das wiederum ist von Buchmacher zu Buchmacher stark unterschiedlich. Beispiele hierfür sind „Wer führt zur Halbzeit?“, „Fallen 0-2 Tore oder mehr?“, „Wie lautet das genaue Endergebnis?“ uvam. Eine Langzeitwette –  wie im Falle von Ex-tra Sportwetten in Deutschland über börsengehandelte Zertifikate angeboten – ist eine Wette, die nicht innerhalb eines Tages entschieden wird: Wetten auf den Meistertitel, Champions-League-Sieg, Torschützenkönig, Wimbledon-Sieger usw. Der Sportwetter kann oft aus einer Vielzahl an Spezialwetten für ein und dasselbe Ereignis auswählen.

Bei klassischen Sportwetten wird dem Kunden eine feste Quote für jedes Ergebnis eines Sportereignisses angeboten, aus dieser lässt sich dann der mögliche Gewinnbetrag errechnen. Auf jeden der möglichen Ausgänge kann eine Wette platziert werden. Über die darüber hinaus angebotenen Wettarten soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, doch ist die Angebotspalette bunt und breit.

Das Anbieten von Sportwetten ist in Deutschland genehmigungspflichtig, jedoch aufgrund des geltenden „Staatsvertrags zum Lotteriewesen in Deutschland“ nicht genehmigungsfähig – das Veranstalten ohne Lizenz und die Teilnahme an derartigen Sportwetten in Deutschland ist als Unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels strafbar nach § 284, § 285 Strafgesetzbuch (StGB).

Neue Erlaubnisse werden jedoch von den Bundesländern seit Jahren nicht mehr erteilt – und wurden in den alten Bundesländern für private Unternehmen auch nie erteilt – wodurch ODDSET quasi eine Monopolstellung einnimmt, die jedoch von den privaten Anbietern von Sportwetten in Frage gestellt wird. Dabei wird insbesondere auf den Vorrang des Europarechtes vor deutschem Recht Bezug genommen.

Seit 19. April 2017 existiert der Straftatbestand des Sportwettbetrugs (§§ 265c bis 265e StGB). Danach müssen Sportler, Trainer und Kampfrichter mit bis zu drei, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe rechnen, wenn sie Wettkampfergebnisse zugunsten eines Wettbewerbsgegners und zur Erlangung von Vorteilen beeinflussen.

Am 28. März 2006 hat das Bundesverfassungsgericht laut Wikipedia entschieden, dass ein Staatsmonopol für Sportwetten mit dem Grundrecht der Berufsfreiheit des Art. 12 Abs. 1 GG nicht vereinbar ist, sofern es nicht konsequent am Ziel der Bekämpfung von Suchtgefahren ausgerichtet ist. Es hat dem Gesetzgeber aufgegeben, die Veranstaltung und Vermittlung von Sportwetten unter Beachtung der verfassungsrechtlichen Vorgaben bis zum 31. Dezember 2007 neu zu regeln. Dabei könne ein verfassungsmäßiger Zustand sowohl durch eine konsequente Ausgestaltung des Wettmonopols erreicht werden, die sicherstellt, dass es wirklich der Suchtbekämpfung dient, als auch durch eine gesetzlich normierte und kontrollierte Zulassung gewerblicher Veranstaltung durch private Wettunternehmen.

Darüber hinaus hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das gewerbliche Veranstalten von Wetten durch private Wettunternehmen und die Vermittlung von Wetten, die nicht vom Freistaat Bayern veranstaltet werden (in Bayern war das Verfahren anhängig gewesen), weiterhin als verboten angesehen und ordnungsrechtlich unterbunden werden dürfen. Dies bedeutet, dass private Sportwettbüros durch die zuständigen Behörden zwangsweise geschlossen werden dürfen. Ob in der Übergangszeit bis zu einer gesetzlichen Neuregelung eine Strafbarkeit nach § 284 StGB gegeben ist, unterliegt nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts der Entscheidung der Strafgerichte.