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Geist, Muskeln, schnöder Mammon

Sport in Nordamerika  / Von First Nations zum Super Bowl

Udo Rettberg

Ähnlich wie in Europa so hat Covid-19 auch den Sport in Nordamerika aufs Abstellgleis gelenkt. Es war einmal ………….. In keiner Region der Welt setzen die Menschen so sehr auf Sport wie in den USA.  Die Kommerzialisierung des Sports erreicht in Nordamerika in der Tat ungeheure Dimensionen. Auch wenn die USA wegen der Trump’schen Kurzsicht ein globaler Corona-Hotspot sind, ist zu erwarten, dass der globale Sport nach der Pandemie wohl zuallererst in den USA neu durchstarten wird, bevor andere Regionen folgen werden.

Im Sport – vor Ort: Wer – so wie ich – über Dekaden hinweg beruflich und privat zwischen Europa und Nordamerika hin und her gependelt ist, der hat den Einfluss des Sports auf das Leben und den Alltag der Men- schen in den USA und Kanada recht gut und teils intensiv miterlebt. Viele oft perfekt in sich greifende Elemente konnten bei mir als generellem Sport-Fan zu einem positiven Ge- samtbild zusammengefügt werden. So auch in Chicago,- der „windy city“ am Michigan See  -, wo ich auf Einladung der beiden dortigen Derivate-Börsen Chicago Board of Trade (CBOT) und Chicago Board Options Exchange (CBOE) in den Jahren 1985 und  1995 bis heuer unvergessen die sportlichen Künste des Basketball-Superstars Michael Jeffrey Jordan bestaunen konnte.

Michael Jordan –   von der Fan-Gemeinde wegen seiner Flugkünste mit der Be- zeichnung „Air Jordan“ geadelt – wurde am 17. Februar 1963 in New York City geboren. Er ist bis heute einer der sportlichen Super- stars in Nordamerika. Unter dem Adelstitel „Air Jordan“ hatte Jordan später auch eine eigene Sportmarke bei Nike. Er war 13 Jahre für die Chicago Bulls tätig und dabei mitentscheidend für die zahlreichen Titelgewinne des Teams aus der oft windigen Metropole am Michigan See. Im Welt-Basketball gilt Jordan bis heute  zweifelsfrei als die absolute Nummer eins. Er prägte die NBA  sowohl als einfallsreicher und genialer Spieler in Chicago und bei den Washington Wizards als darüber hinaus nach dem sportlichen Karriere-Ende auch als Unternehmer und Mehrheitseigner der Charlotte Hornets. Nach wie vor gilt die Legende als einer der „Großverdiener“ nicht nur des Basketballs, sondern des gesamten  US-Profisports.

Aktienkurs Madison Square Garden Sports Corp. MSGS       

                                                                                                           Quelle: Barchart

In Atlanta /Georgia habe ich dann später die State Farm Arena gemeinsam mit den amerikanischen Mitarbeitern einer in Mün- chen beheimateten deutschen Immobilien- gesellschaft, die unsere Gruppe  von Journalisten und Fondsmanagern zu einem Basketball-Spiel der von CNN-Boss Ted Turner unterstützten Atlanta Hawks  gegen die Miami Heat eingeladen hatte. Und in Tampa Bay habe ich später gemeinsam mit meinen Kindern ein spannendes Eishockey-Match des NHL-Franchise-Teams der Tampa Bay Lightning in der dortigen Amalie Arena besucht. Der deutschstämmige Taxifahrer Hans, der uns vor dem Spieltag bereits einige Male zwischen St. Peterburg und Tampa durch die Gegend „kutschiert“ hatte, versorgte uns mit vielen wichtigen Informationen über Eishockey, die NHL und das Team, er brachte uns zum Stadion und holte uns letztlich auch dort wieder ab. Hans zeigte sich letztlich hoch erfreut über den knappen Sieg der Tampa Bay Lightning.

Im inzwischen auch in Europa fast legendären Fenway Park in Boston erlebte ich dann (weitgehend ahnungslos) auf Einladung der Presseabteilung von Fidelity Investments ein Traditions-Derby der besonderen Qualität und Spannung: Die  Boston Red Sox traten gegen das erfolgreichste Baseball-Team der Welt überhaupt an – nämlich die New York Yankees. Von der prunkvollen Stadion-Lounge aus hatten wir einen fantastischen Blick hinunter in den ehrwürdigen Fenway Park. Mein Problem: Ich hatte von Baseball so gut wie keine Ahnung. Das rächte sich, als ich bei der späteren Weiterreise in den USA nach San Francisco von amerikanischen Sportfans nach Einzelheiten des Spiels (Ergebnis, Höhepunkte, Taktik etc) befragt wurde. Ich musste zugeben, mir noch nicht einmal das Endergebnis gemerkt zu haben, was aber auch damit zu begründen war, dass ich am Morgen vor dem Spiel die Nachricht vom  Tod meines Vaters erhalten hatte.

„Oooooh nein, das darf nicht wahr sein“, sagte mein Freund Tom in Kalifornien, sowohl mit Blick auf die Trauernachricht als auch auf mein für US-Verhältnisse wahrlich „unmögliches Verhalten“. Er habe sein Leben lang darauf gewartet, Tickets für ein Ostküsten-Derby „Yankees vs. Red Sox“ ergattern zu können. Das sei ihm aber nie gelungen, klagte Tom. Ich musste in diesem Kontext dann später oftmals die Redewendung von „Perlen vor die Säue werfen“ anhören. Beim Gastgeber Fidelity habe ich diese Geschehnisse nie erwähnt.

Darüber hinaus besteht auf meiner Seite eine weitere Beziehung zur Stadt Boston, zum Fenway Park und zu den Boston Red Sox: Gründer und Besitzer der Fenway Sports Group ist John W. Henry, den ich als Hedge-Fund-Manager gemeinsam mit einigen seiner Mitarbeitern Jahre zuvor in Boca Raton /Florida getroffen hatte. Hier wird es bei vielen Fußball-Fans möglicherweise  jetzt klingeln; denn zur Fenway Sports Group gehört der derzeit in der Premier League – nicht zuletzt wegen der Führungs-Fähigkeiten von Jürgen Klopp – führende und dominierende FC Liverpool.

Das waren nur einige meiner profisportlichen Erlebnisse in den USA. In mehr als 20 anderen Stadien Nordamerikas (von Toronto, Winnipeg, Vancouver, Houston und Seattle bis Miami und Los Angeles) hatte ich Gelegenheit, den Reiz der nordamerikanischen Profiligen und die Liebe der Sportfans kennen zu lernen. Besonders positive Erinnerungen habe ich dabei auch an den Madison Square Garden (MSG), eine Mehrfunktionsarena am Pennsylvania Plaza im Herzen von New York City.

Vom Wellenreiten zum Nascar-Rennen – Klar, die Ursprünge des Sports auf dem  nordamerikanischen Halbkontinent basie- ren in der langen und abwechslungsreichen Historie vor allem auf die allgemeine Ent- wicklung der gesellschaftlichen Strukturen sowie auf das sich rasch verändernde Leben in den unterschiedlichen Regionen des Kontinents zurück. So zum Beispiel auf das Wellenreiten in Hawaii, auf das so genannte Chunkey-Spiel  der präkolumbischen Mississippi-Kultur in Cahokia, dem Südosten und dem mittleren Westen sowie nicht zuletzt auf das im Jahr 1634 erstmals erwähnte Lacrosse-Spiel der First Nations an den Großen Seen und an der Ostküste. Viele sportliche Ideen wurden über die Jahrzehnte hinweg von meist europäischen Einwande- rern etabliert und „verfeinert“. Vom Profi- sport war anfangs noch lange keine Rede, sondern vielmehr von Spaß, Freude,  Leibeserziehung, Körperertüchtigung und Mentalitätsschüben. Auch in den letzten Jahren wurden neue Sportarten „erfunden“.

Einige wichtige Details der US-Sportgeschichte wurden dem folgenden Werk entnommen: Elliott J. Gorn, Warren Goldstein: A Brief History of American Sports– University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-07948-1 (Seiten 3–63, in Englisch).

Als etwas fortschrittlicher galten seinerzeit bereits die Aktivitäten der so bezeichneten Puritaner in den Staaten Neuenglands, die sich vergleichsweise früh  im Reitsport, Springen, Ringen, Gewichtheben, Kegeln und Schießen sowie in frühen Rennsportarten übten. Dabei wurden im Sport Geräte ge- nutzt, die aus dem Alltag bereits bekannt waren. Gesellschaftlich akzeptiert wurden zu dieser Zeit auf Ernährungssicherung und – verbesserung ausgerichtete „Sportarten“ wie Jagen und Fischen all jene Aktivitäten, die die Arbeitskraft stärkten und aufrecht erhielten sowie Melancholie abhielten. Fischen (also „Angling“) gilt in den USA noch heute als eine der meist betriebenen „Sportarten“, wie ich bei den Recherchen zu meinem Buch „Geld schießt Tore“ vor einigen Jahren bereits herausfand. Das setzt indes die Bereitschaft voraus, Angeln in der Tat als eine „Sportart“ einzustufen.

Ähnliche Zweifel an sportlichen Elementen sind an den in der Folge in den USA immer populärer werdenden Tiersportarten (Fuchsjagden, Hahnenkämpfen, Pferderen- nen etc) angebracht.  Entscheidend für die richtige Einordnung ist eine klare Definition des Begriffs „Sport“. Sportarten, die auf die Befriedigung der Sensationslust der Bevölkerung abzielten, entwickelten sich erst später und waren auch die Basis für den weiteren Siegeszug des Sports.

Aus der Sport- und Gesellschaftsliteratur geht hervor, dass sich als der erste „Nationalsport“ in den damals noch jungen USA der Markt für Pferderennen entwickelte. Das diesbezügliche „große Wettrennen“ lockte am 27. Mai des Jahres 1823 in New York (Long Island) eine damals als riesig empfundene Zuschauermenge von 60.000 Menschen an. Von europäischen Siedlern Anfang des 19. Jahrhunderts forcierte Sportarten, bei denen Bälle oder ballähnliche Geräte wie Pucks im Mittelpunkt standen (Baseball/Schlagball, Football, Fußball/ Soccer, Eishockey etc) gelten im US Sport als der „Beginn der Moderne“.  Für die Bürger begann mit dieser Modernisierung des Lebens auch die Ära des modernen Zeitvertreibs.

Motorsport verändert alles – Später folgte dann mit der zielgerichteten Entwicklung von Fortbewegungsmitteln und -geräten u.a. der Siegeszug von Sportarten, bei denen vo Motoren betriebene Schiffe, Fahrräder und letztlich Flugzeuge sowie Automobile eingesetzt wurden. Auch hier ist indes mit Blick auf immer modernere Antriebstechnologien nach meiner Beurteilung bis heute die Frage zu diskutieren, ob dieser moderne Zeitvertreib wirklich als „Sport“ einzuordnen ist.  Definiert man lediglich solche Aktivitäten als Sport, durch die Leibeserziehung und Körperertüchtigung und Muskelkraft gezielt forciert werden, sind gewisse Zweifel angebracht, ob auch Segel-Regatten des America’s Cup oder Nascar-Autorennen wirklich als „Sport-Events“ zu sehen sind. Klar – die Akteure benötigen bei diesen Aktivitäten allesamt sowohl eine hohe Fitness als auch eine nachgewiesene mentale Stärke. 

Sport und Gesellschaft – Der Sport nimmt als die wohl beliebteste Form der Freizeit- gestaltung nordamerikanischer Bürger eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft ein. Dabei sind das Klima und die Witterungs- bedingungen wichtige – die Art des Sports prägende – Faktoren. Während im Norden des Halbkontinents temperaturbedingt der Wintersport sehr beliebt ist, fokussieren sich die Menschen im Süden eher auf Wasser- und Meeressportarten. Unzählige US-Bürger sind entweder aktive Sportler oder aber sie nehmen in ihrer Funktion als Fan und Zuschauer an Sportveranstaltungen teil – sei es live im Stadion und Arenen oder vor dem TV-Gerät oder dem Internet-Computer.

Offiziellen Zahlen der Statistikämter zufolge brachte es der Sport als Wirtschaftsbranche auf dem nordamerikanischen Markt im Jahr 2019 auf einen Gesamtumsatz von über 75 Mrd. $.

Als die  typischen und sehr populären ameri- kanischen Sportarten gelten Baseball, Basketball, American Football, Eishockey oder NASCAR-Autorennen. In den westlichen US-Bundesstaaten sind auch Rodeos sehr  populär. Der Fußball – in den USA als „Soccer“ bezeichnet – gewinnt zwar peu a peu an Bedeutung, reicht jedoch noch lange nicht an das Standing dieser Sportart in anderen Regionen der Welt (Europa, Lateinamerika, Asien, Arabischer Raum) oder an die Bedeutung des American Football in Nordamerika heran. Im US-Sport gilt es wie auch weltweit grundsätzlich zu unterscheiden in den Freizeitbereich (Amateursport) auf der einen und den Profibereich (Wettkampfsport) auf der anderen Seite, wobei es auf allen Gebieten auch   Überschneidungen gibt.

    Facts and Figures der größten Sport-Profiligen Nordamerikas

Sportart und Liga Anzahl Teams  Umsatz * in Mrd. $   Spiele pro Team Zuschauer-Durchschnitt Spielstäftten- Auslastung
Football – NFL 32 7,8 Mrd. 16 68.000 95,0 %
Baseball – MLB 30 6,8 Mrd. 162 30.000 69,4 %
Basketball NBA 30 4,0 Mrd. 82 17.400 88,9 %
Eishockey-NHL 30 3,0 Mrd. 82 17.200 92,5 %

*Vergangene Saison –                                                                                    Quelle: Daten der genannten Liga-Verbände

Denn die größte Aufmerksamkeit erlangen in Nordamerika zweifelsfrei die Profiligen im American Football, Baseball, Basketball, Eishockey und zudem mit Abstand – aber  stärker wachsend – auch die MLS im Fußball (Soccer). In allen Ligen tummeln sich Clubs sowohl aus amerikanischen wie auch aus kanadischen Städten, wobei die US-Clubs eindeutig dominieren, vielleicht abgesehen vom Eishockey.

Die MLS – also die Major League Soccer – führt trotz einer sehr starken Aufholjagd während der vergangenen zehn Jahren aber noch immer weitgehend ein stiefmütterliches Dasein. Eindeutig am beliebtesten ist der American Football und deren Liga NFL, wie obiges Zahlenwerk zeigt.

Von Millionen auf Milliarden – Nichts geht im US-Profisport ohne die enge Verbindung und Verflechtung zwischen den Medien, der Unterhaltungsbranche also, und dem Sportereignis selbst. Die Fernsehgelder der NFL im American Football zeigen diese zum Hype ausartende Verbindung durch ein beeindruckendes Zahlenwerk; denn seit 1962 sind die Gesamteinnahmen der Liga von 4,3 Mio. US-Dollar pro Jahr auf zuletzt 3,09 Mrd.  $ in die Höhe geschossen. Kein Wunder, dass es den 32 NHL-Teams finanziell vergleichsweise gut geht – und den meisten Spielern selbstverständlich auch. Während Profisport in vielen Ländern ein „Zuschuss-Geschäft“ ist, bauen die Akteure des American Football auf eine solide Finanzstruktur. Der TV-Wettbewerb in den USA gilt im Sport als sehr wettbewerbsinten- siv. Denn mit ESPN, ABC, CBS, Fox und NBC sowie rund zehn weiteren Kanälen rangeln unzählige TV-Sender um die Übertragungs- rechte.

Wenn Amateure wandern – Zu den als in die Rubrik „sportnah“ einzuordnenden bevorzugten Erholungsaktivitäten der Amerikaner – also zu einer Art von „aktiver Sport“ – zählen Wandern, Spaziergänge, Bootsfahrten, Jagen und – wie bereits erwähnt – Fishing. Das Fischen wird von manchen auch etwas abwertend als „Angling bezeichnet. Klar – die Kombination aus Erholung auf der einen Bewegung auf der anderen Seite macht diese Freizeitaktivitäten sehr beliebt. Aber auch andere Sportarten werden in den USA mit großem Enthusiasmus betrieben.

Die Aktiven schätzen besonders den individuellen Spaß, die Freude am Wettkampf und die Förderung von Fitness und Gesundheit. Außerdem vermittelt der Sport unverkennbar neben „Muskel-Werten“  auch „wahre“ (also soziale und ethische) Werte wie z.B. Teamgeist, Fairness, Disziplin und Durchhaltevermögen.

All das wird  in der nordamerikanischen Gesellschaft (nicht nur in den USA selbst, sondern auch in Kanada) allgemein sehr hoch geschätzt. Impulse kommen demgemäß auch aus dem Bildungs- und Schulsystem, wo die genannten Werte und mentalen Stärken ausdrücklich gelebt werden und als Lehrinhalt auf dem „Studienplan“ stehen. Hochschulverbände wie die National Federation of State High School Associations (NFHS), die National Collegiate Athletic Association (NCAA), die National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA) oder die National Junior Collegiate Athletic Association (NJCAA) fordern und fördern diese Fähigkeiten besonders in den populären Mannschaftssportarten wie American Football und Baseball für die Herren sowie Softball und Feldhockey (NCAA) für die Damen. Basketball, Fußball, Lacrosse und Volleyball wird in den USA von beiden Geschlechtern ausgeübt.

Darüber hinaus sind auch andere Individualsportarten wie Schwimmen, Golf, Tennis, Crosslauf und Leichtathletik (als Frühlings- und Wintersportart) gleichfalls sehr populär, sie  werden an Schulen und Hochschulen oft auch im Team ausgeübt. Die NCAA als der größte Sportverband bietet darüber hinaus noch andere Sport-Disziplinen wie Fechten, Schießen, Skifahren, Turnen, Wasserball und Eishockey an – und zwar für beide Geschlechter.

Sport und Bildung – eng verknüpft – Ergo: Sport ist aus dem Bildungs- und Schulsystem in den Vereinigten Staaten nicht wegzudenken. Dies vor allem deshalb, weil der Leistungsanreiz im US-Hochschulsystem nicht etwa durch die Vergabe von Leistungsnoten abgebildet wird. Vielmehr geht es mit Blick auf die Zukunft der Athleten um den Erwerb und um die Wahrung von Stipendien für Studierende. Seit dem Jahr 1973 dürfen Sport-Stipendien jährlich über den Zeitraum von vier Jahren hinweg erneuert werden. Die Vergabe der als „teures Gut“ gewerteten Stipendien ist begrenzt. Gleichwohl kommen immer wieder Gerüchte über Manipulationen und „Geschenke“ auf.

Mögliche Defizite werden so unter Umständen vom Steuerzahler oder den regulären Studenten getragen, die aufgrund der Gesetze Studiengebühren bezahlen müssen. Vierstellige Beträge pro Studienjahr sind kein Einzelfall, an der Longwood University in Virginia beispielsweise erreichte im Jahr 2010 der Anteil, den lokale Studenten für das Athletikprogramm zu entrichten hatten, einen Spitzenwert von über 20 % der Studiengebühren. Tatsächlich sind Coaches und Direktoren der Athletikabteilung die höchstbezahlten öffentlichen Diener ihres Bundesstaates und damit selbst den Universitätsdirektoren überlegen.

Bei Wikipedia heißt es: Der bedeutende Einfluss des Sports auf die amerikanische Gesellschaft wird auch seitens der amerikanischen Regierung bestätigt. Die Tatsache, dass Sport und die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten Eigenschaften wie Charakter, Disziplin und Selbstvertrauen ebenso wie persönliches Wohlgefühl fördert, wird besonders vom President’s Council on Sports, Fitness, and Nutrition (PCSFN) anerkannt, das Aktivitäten zur weiteren Verbreitung aktiver sportlicher Betätigung entwickelt und durchführt. Das PCSFN ist davon überzeugt, dass sportliche Betätigung und Fitness besonderen Nutzen für die Gesundheit haben. Entsprechend wurde das Council von Präsident Bush mit der Aufgabe betraut, die Inhalte der im Juni 2002 von seiner Regierung veröffentlichten Fitness Agenda zu vermitteln.

Wichtig in diesem Kontext: Die ame- rikanische Regierung tritt für internationale Sportwettkämpfe ein, um bei solchen Veranstaltungen den American Way of Life zu repräsentieren, internationales Ver- ständnis zu fördern und gleichzeitig wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und diplomatischen Einfluss auszuüben. Das universellste und beliebteste Schlachtfeld des Kalten Krieges war auf Grund von Symbolik und emotionaler Bindung international zweifellos der Sport. Er steht in allen ideologischen Systemen stellvertretend für persönlichen und sozialen Fortschritt und die Überlegenheit des repräsentierten politischen Gesellschaftssystems, das den Sportler hervorgebracht und ausgebildet hat.

Größtes Handicap für die außenpolitischen Beziehungen der USA und damit die Ausweitung ihrer Einflusssphäre in Konkurrenz zum „Klassenfeind“ UdSSR war Fachleuten zufolge lange Zeit die inter- nationale Rezeption der US-amerikanischen Rassenpolitik. Aus diesem Grund konnten sich auch afro-amerikanische Sportler und Sportlerinnen als Repräsentanten und Botschafter ihres Landes etablieren.

Und dann wurde im Jahr 1976 der enorme Ehrgeiz der Amerikaner besonders geweckt; denn in diesem Jahr errangen die USA hinter der UdSSR und der DDR bei den Spielen der XXI. Olympiade in Montreal trotz eines von Experten gesehenen gewissen Lokalvorteils lediglich die drittmeisten Medaillen. Das sorgte für einen Schock. Und prompt entmachtete der US-Kongress auf Basis des Amateur Sports Acts von 1978 die im Jahr 1888 gegründete Amateur Athletic Union (AAU), die seit den Jahr 1923 die Vereinigten Staaten international vertreten hatte.

Per Gesetz wurde in der Folge dann das United States Olympic Committee ins Leben gerufen, das die Entwicklung des Amateursports durch die Gründung nationaler Sportverbände steuerten. Die AAU, die seit Ende des 19. Jahrhunderts Dachverband für Leichtathletik wie auch Ausrichter der nationalen Meisterschaften war und u. a. den Werksteam-Basketball der National Professional Basketball League und der National Industrial Basketball League organisiert hatte, richtet derzeit Amateur-Turniere in 41 Sportarten aus und ist heutzutage insbesondere für Leichtathletik- und Basketball–Turniere für Kinder und Jugendliche bekannt. Abseits der Athletikabteilungen (Varsities) engagiert sich die AAU auch im Breitensport an Schulen.

US-Sport – globaler Leader – Bekanntlich waren die USA bei internationalen Sportereignissen immer vergleichswese erfolgreich. Das herausragende Ereignis im internationalen Sport sind dabei die Olympischen Spiele. Bereits achtmal hatten die USA Gelegenheit, Olympische Winter- oder Sommerspiele auszurichten. Die USA nehmen auch an den Panamerikanischen Spielen teil, dem zweitgrößten Sportereignis nach Olympia. Diese Wettkämpfe werden gleichfalls alle vier Jahre im Jahr vor den Olympischen Spielen ausgetragen.

Es gibt unzählige Beispiele für hervorragende Ergebnisse und Leistungen amerikanischer Sportler – bei den Amateuren und Profis gleichermaßen. Hier sei beispielhaft an den Box-Champion Cassius Clay (alias Muhammad Ali), an „Tiger“ Woods, an Tom Brady, an Arnold Palmer, an Lance Armstrong, an Wayne Gretzky sowie an Carl Lewis und Billy Jean King sowie Pete Sampras und Andre Agassi erinnert.  

Ein Fakt kommt hinzu und sollte nicht in Vergessenheit geraten: Vor allem für schwarzhäutige US-Bürger erwies sich der Sport in den USA als „Überholspur“ und als  „Aufstiegs-Schiene“. Und wer darüber hinaus als US-Teilnehmer bei Olympia oder bei World-Championships siegt, hat als amerikanisches Sportidol in der Regel finanziell ausgedient. Solche Sportler genießen einen hohen Bekanntheitsgrad und werden als Persönlichkeiten bei den Bürgern im Land meist sehr hoch anerkannt und geschätzt. Wer als Amateur in weniger populären Sportarten erfolgreich unterwegs ist, hat durch das spezielle System der USA die Möglichkeit, u.a. durch Werbeverträge und als Medien-Experte oder als Trainer/Manager – ähnlich wie Profis – finanziell bis ins hohe Alter weit nach der sportlichen Karriere gut abgesichert zu sein.