dgwa.org | Börsen-Herbst 2017
22292
post-template-default,single,single-post,postid-22292,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-1.7.1,wpb-js-composer js-comp-ver-4.3.5,vc_responsive

Börsen-Herbst 2017

Selten in den letzten Jahren gab es auf der Welt so viele unterschiedliche und schwer zu verstehende und damit beunruhigende Krisenherde wie in diesem Jahr. Umso verwunderlicher für die meisten, dass die Aktienmärkte bisher kaum eine Reaktion darauf zeigen. So notiert der Dow Jones nahezu auf All-Time High und auch die meisten anderen bedeutenden Indizes nahe ihren Höchstständen. Beim Dax sind es ca 7% darunter, dies aber hauptsächlich aufgrund der Auto-Aktien (Stand 01.09.2017).

in Europa der Brexit, Polen, Rückkehr der Flüchtlingskrise, Türkei –  im Nahen und Mittleren Osten (neben den immerwährenden Spannungen) Katar und völlig undurchsichtig Syrien – in Südamerika Venezuela.In Asien Nordkorea und über allem ein D. Trump, welcher das filigrane Gleichgewicht zwischen Ost und West, zwischen China und den USA und auf der Welt insgesamt Tag für Tag mehr gefährdet (alphabetische Reihenfolge, da wir keine Priorisierung vornehmen wollen).

Dazu immer mehr Indizien für eine zweite globale Finanzmarktkrise und eine schon seit sehr langem gut laufende globale Wirtschaft.

Jeder einzelne der genannten Aspekte hätte noch vor einigen Jahren für eine ordentliche Korrektur ausgereicht, heute reagieren die Märkte – wenn überhaupt – nur noch kurzfristig und kehren sehr schnell zum Alltag zurück.

Dieser Alltag lässt sich mit zwei der bekanntesten Börsenweisheiten zusammenfassen:

  • bei diesem Zinsniveau gibt es keine Alternative zu Aktien
  • politische Börsen haben kurze Beine

Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist, dass all diejenigen, die in der Öffentlichkeit und populistisch vor Crashs, deutlichen Korrekturen oder gar dem Untergang des Finanzsystems warnen in den allermeisten Fällen keinerlei Investmententscheidungen treffen, also weder Funds noch Kundenportfolios managen. Die tatsächlichen Entscheider vertrauen den Märkten nach wie vor und sind investiert.

Die DGWA ist ebenfalls grundsätzlich optimistisch für die weitere Entwicklung der Märkte, wir sehen jedoch turbulente und volatile Monate auf uns zukommen.

In den letzten Jahren haben wir gelernt, dass der Einfluss von Angst und Terror auf die Wirtschaft und somit die Börsen nur von kurzfristiger Dauer ist (selbst nach nine-eleven haben sich die Märkte relativ schnell erholt und die aktuellen Anschläge lassen die Börsen inzw. absolut unberührt). Auch werden extremere politische Bewegungen (Frankreich, Niederlande…) am Ende von der Demokratie besiegt.

So wird es auch zukünftig sein und bleiben, aber die Unberechenbarkeit von D. Trump auf der Weltbühne im Allgemeinen und viel besorgniserregender rund um die Entwicklungen in und um Nordkorea im Speziellen lassen befürchten, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder mit beunruhigenden Nachrichten konfrontiert werden.

Die Politik wird unsere Börsen in den nächsten Monaten dominieren – bei der Brisanz der verschiedenen  Krisenherde in Verbindung mit den Charakteren, der Souveränität und Vernunft der Verantwortlichen hauptsächlich in Moskau, Peking, Pjöngjang und Washington wird es zu zahlreichen mindestens verbalen Eskalationen kommen. Wir halten die meisten aktuellen Probleme für lösbar bzw. deren Einfluss auf die Börsen für überschaubar…aber im Fall der immer weiter eskalierenden Nordkorea Krise halten wir eine vernünftige Lösung und ein zukünftiges friedliches Neben – oder gar Miteinander mit den heute Machthabenden für schwer vorstellbar. Auch wenn wir nicht von einer atomaren Eskalation ausgehen, so werden die USA (und der Rest der Welt) die permanenten Provokationen und den gleichzeitigen Fortschritt bei der atomaren Aufrüstung Nordkoreas nicht viel länger hinnehmen.

Der Spielraum für Diplomatie wird jedenfalls immer geringer, somit steigt umgekehrt das Risiko der Eskalation in gleichem Maße. Diese Entwicklung wird die Märkte in den nächsten Wochen und wohl auch Monaten dominieren. Steigende Volatilität und steigende Goldpreise sind die logische Konsequenz und eine aktive Portfolioabsicherung empfehlenswert wenn nicht dringend geboten. Umgekehrt werden die Märkte (wie so oft) auch immer wieder überreagieren und zumindest kurzfristige Tradingchancen bieten – erhöhte Wachsamkeit ist daher das Gebot der Stunde, egal ob man long oder short ist, kaufen oder verkaufen will.

Die Börse mag keine Überraschungen, aber politische Börsen sind geprägt durch Überraschungen.