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2016 – DAS JAHR DER AHNUNGSLOSEN!

TRUMP, BREXIT und jetzt das ITALIENREFERENDUM – diese drei 2016er Ereignisse mit durchaus historischem Charakter haben mindestens zwei Dinge gemeinsam: So gut wie alle Meinungsforscher lagen mit Ihren Vorhersagen falsch und so gut wie alle Analysten lagen mit Ihren Prognosen bzgl. der Auswirkungen auf die Finanzmärkte falsch. WARUM ?

Sowohl ein “President elected” Trump als auch der Brexit galten noch bis zum jeweiligen Wahltag als ausgeschlossen – und beim Italienischen Referendum (und auch der Österreichischen Bundespräsidentenwahl) waren die Ergebnisse bei weitem nicht so knapp, wie vorhergesagt wurde.

Trotz Ihrer – vor allem medial ausgeschlachteten –  vermeintlichen Bedeutung haben diese Ereignisse jedoch zumindest kurzfristig kaum Einfluss auf den Großteil der Bevölkerung, weshalb die offensichtlich überholten Methoden der Meinungsforscher weniger tragisch sind, sondern uns vielmehr die ein oder andere Überraschung bescherten und wohl auch weiterhin bescheren werden – 2017 wählt Deutschland!

Für viele dagegen wesentlich entscheidender, da unter Umständen teurer, waren und sind die Einschätzungen der unzähligen den Kapitalmarkt analysierenden Quellen. Hätte man (oder schlimmer hat man) nach den genannten Ereignissen jeweils auf die kurzfristigen Einschätzungen  gehört und entsprechend reagiert, kann das ohne Probleme 10-20 Prozent des Depotvolumens gekostet haben – und dass viele genau dies getan haben, zeigten ja die stellenweise panikartigen Verkäufe und daraus resultierenden deutlichen Abschläge der Kurse nach dem Brexit bzw. der Trump-Wahl. Umgekehrt wurde die bisher einzige einigermaßen substanzielle Kursbewegung des Jahres 2016, nämlich der 25% Einbruch zu Beginn des Jahres aufgrund aufkommender Sorgen um die Substanz der Chinesischen Wirtschaft, von so gut wie allen Beteiligten nicht vorhergesehen.

Es wird darauf hinauslaufen, dass 2016 aus Performance-Sicht als eines der langweiligeren Jahre in die Börsengeschichte eingehen wird – aus politischer Sicht ist es mit Sicherheit umgekehrt. Passt das zusammen ?

dax-2016

Natürlich muss als erste Erklärung die Sage von den kurzen Beinen politischer Börsen herhalten, entscheidender sind unseres Erachtens jedoch andere Aspekte:

So haben sich die Investoren an die kontinuierliche Niedrig- bis Nullzinspolitik der Zentralbanken nicht nur gewöhnt, vielmehr sind die damit verbundenen Vorteile für die Aktie inzw. ebenfalls längst eingepreist und es fehlt einfach die Phantasie, wo noch weitere Wertreiber herkommen sollen. Weiterhin bietet der Kapitalmarkt seinen Teilnehmern inzw. eine Vielzahl von weiteren Anlageformen, die “Alternativlosigkeit” der Aktie muss daher immer stärker relativiert werden.

Viele der klassischen Investoren bewegen sich in der Konsequenz dieser Lethargieder Märkte , aber auch wegen immer höheren regulatorischen Anforderungen in den Publikumsmärkten daher immer mehr in diese alternativen und nicht öffentlichen Produkte und Strukturen hinein. Daher verlieren die Aktienmärkte im Investitionsuniversum an Bedeutung und auch die dort beschäftige “Intelligenz” nimmt ab.

Es gibt daher leider immer weniger Stimmen von tatsächlichen Investoren, welche Ihrer Meinung auch Taten folgen lassen und Ihren Aussagen so ein ganz anderes Gewicht geben. Vielmehr  hören wir immer mehr plakatives Gerede selbsternannter Fachleute, die mit Ihren Worten für Aufmerksamkeit und Bekanntheit sorgen, um diese dann z.B. durch Auftritte bei Börsentagen oder der Veröffentlichung totsicherer Aktientipps in allen möglichen Foren und dem Schreiben (lassen) von Büchern mit Börsenweisheiten zu monetarisieren.

Aber trat irgend eine der gebetsmühlenartig verbreiteten Szenarien wie “Gold geht auf 10.000”, “China auf Null”, “Zinsen vor Crash nach oben”, “Hyperinflation”, “Bargeld vor dem Aus” ein? …oder werden die Märkte tatsächlich “von einer großen und bösen Macht” gesteuert? Außer dass es völliger Unsinn ist haben diese Aussagen noch etwas gemein: Sie provozieren und sorgen für Aufmerksamkeit.

Ganz anders dagegen “Trump ist auch nicht schlechter als Clinton” oder “die Italiener haben schon ganz andere Krisen gemeistert”, denn das sind nur die langweiligen Gründe für die Entspanntheit der Märkte und Ihrer wirklichen Akteure.

Zumindest aber hat eine weitere Börsenweisheit dadurch Bestand: Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes!

Wir wünschen Ihnen eine frohe Vorweihnachtszeit!